Theater 2.0

Spielraum Internet

Theater in Second Life: Virtuell und was noch?

Der Begriff Theater 2.0 beschreibt einen neue Form des Theaters, das sich über das konventionelle Schema - hier die agierenden Schauspieler, dort das konsumierende Publikum -  hinwegsetzt und dem Zuschauer, in der Regel per moderner  Kommunikationstechnik, eine aktive Rolle zuweist. Diese kann von Mal zu Mal verschieden sein. In jedem Fall ist der Betrachter Teil des Stückes und kann es mitgestalten, sodass die Handlung unterschiedlich verläuft. Vorbild ist das sogenannte Web 2.0, das sich längst zum Mitmachinternet der Massen entwickelt hat.

Nun hat das Theater in der virtuellen Plattform Second Life Eingang gefunden. Doch ist es damit gleich ein Theater 2.0-Projekt, nur weil es sich der Technik des Internets bedient? Oder reicht die bloße Tatsache aus, dass es dieses Theaterexperiment ohne Internet gar nicht geben würde? Jenseits dieser Überlegungen ist das Projekt von Regisseur Simeon Blaesi es allemal wert, thematisiert zu werden.

Am 10. Mai 2009 soll also die Szene „Dirne-Soldat“ aus Arthur Schnitzlers „Reigen“, regelmäßig und in kurzen Abständen, im virtuellen Raum von Second Life gezeigt werden.

Blaesis Absicht: Die Chancen neuer Technologien für das Theater zu untersuchen, einzuordnen und aufzuzeigen sowie eine Diskussion über Machbarkeit und Unmöglichkeit, Sinn und Unsinn von Theater in virtuellen Welten auszulösen.

Im offiziellen Pressetext heißt es dazu:

"Blaesi tanzt mit seinem Projekt einen Drahtseilakt zwischen dem traditionellen Theater und der neuen, technisch-virtuellen Welt, in der die Figuren gesteuert werden können und keine persönlichen Empfindungen mehr zeigen. Er verknüpft zwei Welten, die sich beide im Umbruch befinden: Second Life, die Plattform im Internet, noch vor wenigen Jahren vielbeachtet, wird mittlerweile aber deutlich nüchterner betrachtet und die traditionelle Form des Theaters, sieht sich ebenfalls einem dramatischen Wandel ausgesetzt: Mittel werden gekürzt, Kosten steigen, viele Spielstätten stehen sogar vor der Schließung oder wurden bereits geschlossen. Und die Besucher? Die bleiben aus, weil sie sich die abgedrehten Phantasien des Regietheaters nicht mehr antun wollen oder anderweitig leichtere Unterhaltung finden.

Wer das Internet nutzt, wer sich auf Second Life einlässt, lässt sich gleichzeitig darauf ein, Neues zu wagen, Pionier zu sein, zu verändern. Darum, so hofft Blaesi, kann sich das Theater in Second Life noch einmal neu erfinden und neue Zielgruppen erschließen. Blaesi stellt fest, dass sich das Internet in mancher Hinsicht sogar besser für die künstlerischen Anforderungen des Theaters eigne, als die reale Welt: „Das Bühnenbild, die Kostüme und Requisiten lassen sich mit erheblich weniger Aufwand erstellen und durch die fast unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt“. Da auch die Schauspieler, nach den Rollen die sie verkörpern sollen, frei gestaltet werden können, erleichtere das die Arbeit des Regisseurs gegenüber dem Umgang mit den physikalischen Grenzen lebender Darsteller erheblich. Die Gefühllosigkeit des virtuellen Schauspielers, des Avatars, sei aus theaterwissenschaftlicher Sicht ein Vorteil, denn „der menschliche Schauspieler könne nie eine ganz reine Form der Kunst erreichen, spielten doch der eigene Charakter, die eigenen Emotionen und der Egoismus stets in die Figur mit hinein“, erläutert der Kulturmacher.

Den wissenschaftlichen Hintergrund und die theoretische Grundlage für „Reigen“  liefert Blaesis postgraduale Arbeit an der FernUniversität Hagen zum Thema "Theater in einer virtuellen Welt". Die Arbeit untersucht die Machbarkeit von Theater in der virtuellen Welt von Second Life und findet heraus, was das für Funktion und Wirkung, hinsichtlich technischer, psychologischer und gesellschaftlicher Aspekte bedeutet. Blaesis These: Theater kann, wie in der physischen Welt, auch in einer computergenerierten Umgebung erlebbar werden."

Reigen_Theater in Second Life

Weitere Infos:

Reigen
Dirne und Soldat
Arthur Schnitzler
Premiere: 10. Mai 2009, 20 Uhr
Ort: Second Life
http://slurl.com/secondlife/Bluepill/27/215/22
Vorschau/Trailer unter:
www.planb-am-see.de/download/sltvorschau090404.wmv

15. April 2009, 11:40 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | 1 Kommentar |

ANTIGONE 2.0: Findet das Theater zukünftig online statt?

Das interaktive Theaterprojekt "Ödipedia" von Benedict Roeser ist auf die Zielgerade eingebogen. Premiere ist am 17. April im Kulturhaus Spandau in Berlin. Weitere Aufführungen sind für den 18., 19., 24., 25., 26. und 27.04.2009 geplant.

Bei "Ödipedia – Auf der Suche nach" handelt es sich um eine experimentelle Produktion, bei der die Zuschauer per Wiki-Website am Text mitschreiben und sich eine bestimmte Handlung wünschen konnten.

Daniela Zinser hat die Theatergruppe bei den Proben besucht und für die Berliner Zeitung einen Artikel verfasst.

Das Einverständnis der Berliner Verlag GmbH freundlicherweise vorausgesetzt, übernehme ich hier den Text von Daniela Zinser, der wunderbar anschaulicht macht, welchen Herausforderungen sich die Gruppe bei der Erarbeitung ihres Stückes gegenüber sah und sieht.

Artikel aus der Berliner Zeitung vom 30. Dezember 2008:

"ANTIGONE 2.0 Findet das Theater zukünftig online statt?
Autorin: Daniela Zinser

Schwierig ist das mit dem sprechenden Fahrrad Drahton. Und wie sieht eine Krabbe aus, die seitwärts läuft? Wer, wie, was, wieso weshalb, warum? Das sind ziemlich schwere Aufgaben, die sich die Studenten der Theatergruppe Antigone 2.0 gestellt haben. Sie proben gerade ihre Version von König Ödipus. Genauer gesagt ist es die Web 2.0-Version. Passt da die Titelmelodie der Sesamstraße wirklich rein? Zwischendurch lieber mal rappen oder einfach nur ein knappes Hurz. Und was hat das alles mit Ödipus zu tun? Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Das Fahrrad also ist ein Prophet und nebenbei noch die Fantasie des Ödipus, der Kanal zu seinem Unterbewusstsein, die Erleuchtung sozusagen. Erkennbar an zwei orangefarbenen Reflektoren, die um Drahtons Hals baumeln. Vier Monate lang konnte unter www.oedipedia.de im Internet jeder am Stück mitschreiben. Rund zwanzig Leute haben mitgemacht, mehrere Tausend die Seite besucht, die aussieht wie die von Wikipedia. Manche haben nur ein Wort reingeschrieben, andere ganze Monologe.

In dem Monolog, der gerade geprobt wird, gesteht Martin Lhotzky als Ödipus, wie peinlich ihm seine Füße sind. Dazu trägt er Tigertatzenpuschen. Den ganzen schönen Monolog hat er auswendig gelernt, sagt er. Obwohl: "Für solch Schwarbelschwurbel ist mein Verstand nicht vorbereitet." So steht's im Text. Dann bestellt er ein Frisches und 'n Korn. Ein Trinker informiert ihn auf gut Bayrisch, dass es nur "Maasn" und "Seidla" gibt, beides immer frisch. Dann sagt er etwas unvermittelt: "Ich habe eine Mütze auf."

Ironisch gebrochen, wie man so schön sagt, ist vieles in dem Stück und manches reichlich wirr. "Dazwischen sind einzelne Juwelen, für die man darben muss", sagt Benedict Roeser. Etwa diese: "Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen der Welt". Der 22-jährige Benedict ist Regisseur und Kopf der Theatergruppe. Die Schauspieler studieren Medizin, Deutsch auf Lehramt, Theologie, Theaterwissenschaften oder Geografie und haben sich über reichlich viele Ecken getroffen. Nun schlagen sie sich mit verwirrenden Ortswechseln, ständig wechselndem Sprachstil und seltsamen Wünschen der Mitschreiber herum. Was zu wirr war, haben sie selbst als Nutzer auf der Webseite geändert.

Grübeln bereitet den Studenten eine Passage, die ganz auf Schwedisch geschrieben ist. Per Wörterbuch entschlüsseln sie, dass es so was heißt wie: "Ich bin fröhlich, ich habe einen grünen Stuhl". Aha. Alles entwickelt seine ganz eigene Poesie, seinen eigenen Witz. Etwa, wenn als stumme Rollen Heiner Müller und Thomas Bernhard auftreten, als besonders stumme Rollen Castorf und Peymann.

Ödipus muss seitwärts laufen wie eine Krabbe, so wollen es die anonymen Online-Autoren. Martin findet das reichlich anstrengend, außerdem ist die Hose zu eng. "Denkt euch bitte die Scherengeräusche dazu, ich hab jetzt keine Kastagnetten dabei", sagt Regisseur Benedict Roeser. "Das hat alles einfach auch gelegentlich gar keinen Sinn", sagt Ödipus, während Benedict überlegt, ob er ihn das Buch "Im Krebsgang" vor sich her tragen lässt.

Im Blog auf www.antigone20.de wird die Probenarbeit dokumentiert und fleißig über das Stück weiter diskutiert. Ganz so stellt Benedict Roeser sich die Zukunft vor. "Ich glaube, dass Theater mehr und mehr zur Struktur wird, die man mit Inhalt füllen kann", sagt er. Das Publikum soll beteiligt werden, sofern es denn will. Deshalb gibt es im Stück auch ein integriertes Quiz, in dem die Zuschauer Fragen für die Sphinx stellen.

Um Fragen und Wissen geht es bei Ödipus, da passt der Bezug zu Wikipedia. "Ödipus kennt seine eigene Identität nicht und muss sein Wissen darüber bei unterschiedlichen Quellen zusammensammeln", sagt Benedict Roeser. Und inzwischen kommt es ihm schon ganz natürlich vor, dass bei Ödipus ein sprechendes Fahrrad vorkommt. Drahton, das Fahrrad, hat keine Füße, stattdessen Räder und damit ununterbrochenen Bodenkontakt. Es ist damit in einer Zwischenwelt Vermittler zwischen den Menschen und den Erdgöttern. So interpretiert der Regisseur es.

Am 17. April soll Premiere im Kulturhaus Spandau sein. Bis dahin ist noch ein Wust von Fragen zu klären. Zu Beispiel die, wer sich das Freibier für den Beleuchter gewünscht hat. Der Lichtdesigner war es nach eigener Aussage nicht.

Mehr zum Thema unter: www.antigone20.de"

10. Februar 2009, 15:16 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | 2 Kommentare |

Tanzkunst für die youtube-Generation

Im Zeitalter von Online-Plattformen wie youtube und Handykameras ist der Videoclip allgegenwärtig und wird vor allem von der jungen Generation angenommen und aktiv genutzt.

Wie findet also die Kunst ihren Weg hin zur jungen Generation? Antwort: Indem sie sich deren Sprache und Kommunikationsmöglichkeiten bedient.

Das dachte sich wohl auch die Münchner Tanzproduktionsfirma JOINT ADVENTURES und initiierte in diesem Jahr zum ersten Mal den Wettbewerb Choreographic Captures, bei dem künstlerisch gestaltete Video-Clips im Mittelpunkt stehen.

Die maximal 60-sekündige Choreographic Captures gleichen dem Format nach einem Werbeclip, besitzen aber keinerlei werblichen Inhalt. Denn, so betonen die Initiatoren des Wettbewerbs, „Choreographic Captures sind Kunst. Genauer: Kunst im öffentlichen Raum.“

Über 100 choreographische Kurzfilme wurden eingereicht. Die fünf Gewinnerfilme stehen jetzt fest und sind ab sofort unter anderem in ausgewählten Kinos zu sehen. Und dies an unerwarteter Stelle: mitten im Werbeblock, zwischen den Spots von Jeans-Labeln und Automarken. Dort sollen sie im kommerziellen Vorspann für Abwechslung und Überraschung beim Publikum sorgen – ganz unter dem Motto „Art for those who didn’t ask for it!“

Mehr Infos zu dem Projekt sowie natürlich alle Filme gibt es auf www.choreographiccaptures.org

Übrigens laufen schon die Anmeldungen für den Wettbewerb 2009. Spätester Abgabetermin für die selbst kreierten Choreographic Captures ist der 30. April 2009.

Hier ist einer der Siegerfilme des diesjährigen Wettbewerbs: "Rush" von Anna Dubrovska.

 

03. Dezember 2008, 14:00 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | Keine Kommentare |

Barcamp Berlin 2008 - Benedict Roeser stellt Theater 2.0 vor

Benedict Roeser, Regisseur und Initiator der Berliner Theatergruppe Antigone 2.0, hat auf dem Barcamp Berlin 2008 das Thema "Theater 2.0" vorgestellt. In einer rund einstündigen 'Session' berichtete Benedict, was er unter dem Begriff versteht und veranschaulichte dies anhand von Praxisbeispielen.

Eine Zusammenfassung des Vortrags gibt netterweise Hilko Holweg auf seinem Blog: „Theater 2.0 – Benedict Roeser (Barcamp Berlin 3 2008)“.

12. November 2008, 18:55 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | Keine Kommentare |

Web-Autoren für Inszenierung gesucht!

Die Berliner Theatergruppe Antigone 2.0 lädt zur Textentwicklung für die Inszenierung Ödipedia ein. Jeder kann sich übers Netz beteiligen. Basierend auf Sophokles' Tragödie 'König Ödipus' erstellen Schauspieler und Interessierte im Internet gemeinsam den Text, der später aufgeführt wird. Auf der Website www.ödipedia.de wird eine Bearbeitung der Übersetzung Hölderlins bereitgestellt, die nach dem Wikipedia-Prinzip von allen Besuchern der Seite beliebig verändert und erweitert werden kann. Ob dabei nur die alte Sprache oder auch Teile der Handlung ein neues Gesicht bekommen, bleibt offen.

Theater zum Mitmachen, lautet das Motto der jungen Gruppe um Regisseur Benedict Roeser. In Anlehnung an das Web 2.0-Prinzip arbeitet die Gruppe "völlig transparent". Der gesamte Entwicklungsprozess der Inszenierung wird auf der Homepage www.antigone20.de dokumentiert. In Onlinetagebüchern, sogenannten Weblogs, erzählen die Schauspieler von ihren Erlebnissen im Probenprozess. Fotos und Videos vervollständigen das Angebot, das von interessierten Besuchern kommentiert und bewertet werden kann.

Ihren Namen erhielt die Gruppe von ihrer ersten Inszenierung, Antigone 2.0, bei der die Zuschauer das Bühnengeschehen per Live-Chat kommentieren.

29. August 2008, 17:43 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | 6 Kommentare |

Neues Theaterprojekt “styx”

styx
theaterperformance

Zum Projekt:
styx erzählt mit Texten, Bildern und Musik die Geschichte von nightstar und i.Love. Beide treffen sich zufällig im Internet. Nach kurzem Chat bricht der Kontakt ab. i.love ist nicht mehr online- nightstar stürzt in einen Strudel aus Selbstzweifeln und Halluzinationen.
"Dein Geruch ist in den Benutzerangaben leider nicht zu finden. Dein Foto auf meinem Bildschirm ein Ausschnitt der nicht Du ist…"(Textauszug)
Die Darsteller auf der Bühne besuchen unterschiedliche Chatforen. Die sich dort aufhaltenden User haben Einfluss auf den Verlauf des Stücks. Die anwesenden Zuschauer wiederum können die Hauptfigur (mit Usernamen nightstar) auf Profile, Blogs oder Seiten aufmerksam machen und bei der Suche nach iLove helfen. Autor Steffen Schmidt: "Da haben manche Menschen Tricks auf Lager, die ungeahnte Internetunterwelten öffnen."

Darmstadt, 603qm, 19. September 2008, Einlass: 22.00 Uhr

Hier geht's zum Blog von Autor Steffen Schmidt…

19. August 2008, 18:21 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | Keine Kommentare |

Diskussion zu “Theater2.0″ im Nationaltheater Mannheim

Gemeinsam mit der studentischen Unternehmensberatung INTEGRA e.V. der Universität Mannheim und dem Nationaltheater Mannheim ruft die Düsseldorfer Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton zu einer Diskussion zum Thema „Theater 2.0 - Strategische Herausforderungen für das Theater im 21. Jahrhundert" auf. Eingeladen sind interessierte Studierende und DoktorandInnen der Universität Mannheim.

Vor welchen strategischen Herausforderungen steht ein Theater im interaktiven Zeitalter von web 2.0? Welche Änderungen des Zuschaueranspruchs ergeben sich dadurch? Wie kann ein Theater auf diesen Wandel reagieren?
Diese und andere Fragen sollen diskutiert und Lösungsansätze erarbeitet werden.

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 08. Mai 2008, ab 14:30 Uhr im Nationaltheater Mannheim statt.

Weitere Informationen gibt Nicola Herrmann von Booz Allen Hamilton, Tel.: +49/211/3890.211

02. Mai 2008, 08:13 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | 7 Kommentare |

Er bringt die Kunst des Schauspiels ins Internet

Der Berliner Schauspieler Johannes Brandrup gründete ein virtuelles Theater

In der "Espresso-Ambulanz" am Oranienburger Tor ist kein Platz mehr frei. Die meisten Gäste sitzen vor Laptops, tippen emsig vor sich hin. Es duftet nach Kaffee in dem kleinen Restaurant. Den Internetzugang gibt es hier gratis zur Bestellung dazu. Auch der 41-jährige Berliner Mime Johannes Brandrup sitzt vor seinem Computer, er sieht zufrieden auf das Ergebnis seiner Arbeit. Auf dem PC guckt er aber nicht etwa einen seiner Filme, sondern er klickt sich durch ein Theater - das Logentheater.

Es ist ein Theater ohne festes Haus, eine virtuelle Theaterbühne, eine kleine Web-2.0-Utopie, die ganz ohne die berühmten Bretter auskommt, die eine richtige Bühne ausmachen. Johannes Brandrup ist ihr Web-Intendant. Nach ein paar Klicks mit der Maustaste und einer kurzen Benutzeranleitung landet der PC-Besitzer vor einer Fassade mit etlichen Fenstern. Das Internettheater braucht keine Bühne und auch keinen Vorhang. Es ähnelt einem kleinen Guckkasten. Denn hinter den virtuellen Fenstern der Hausfront warten Schauspieler mit ihren Theaterstücken auf Zuschauer. Mit einem Klick auf ein Fenster startet das Stück, mit einem weiteren hört es wieder auf. Wem die eine Aufführung nicht zusagt, geht per Mausklick einfach zur nächsten. Ruck, zuck, ohne Eintritt zu bezahlen und 24 Stunden täglich. Theater-Hopping sozusagen.

"Unser Projekt bietet eine neue Form der Unterhaltung", sagt Brandrup. Jeder professionelle Schauspieler könne auf der Seite www.logentheater.de Stücke ins Netz stellen. Natürlich müsse sich deren Form den Möglichkeiten des Internets anpassen. Zur Schnelligkeit des Netzes und der kurzen Verweildauer vieler Surfer im Netz passe beispielsweise "kein vierstündiger Shakespeare". Stattdessen würden oft schrille Szenenschnipsel mit viel Musik gezeigt, die Texte laufen als eingeblendetes Nachrichtenband mit. "Theater für den kleinen Bildungshunger zwischendurch", beschreibt Brandrup seine Idee des Internettheaters.

Zu sehen sind kurze Stücke, Improvisationen und Probenmitschnitte. Der neuste Coup des Web-Intendanten ist eine Zusammenarbeit mit der Schaubühne am Lehniner Platz in Charlottenburg. "Der Regisseur Luk Perceval inszenierte gerade Kleists "Penthesilea", und wir zeigen nun einen Zusammenschnitt der Proben", so Brandrup. Da sieht man Schauspielern dann bei der Arbeit zu und hört perfekt rezitierte Kleist-Texte.

"Heute hat doch jeder die Möglichkeit, seine Ideen über das Netz zu verbreiten", sagt Brandrup. Ob bei MySpace oder YouTube, heute könne theoretisch jeder seine Amateuraufnahmen und Schauspielversuche über das Internet einem Millionenpublikum vorstellen. Er setze jedoch ausschließlich auf hochwertige Produkte professioneller Schauspieler, Musiker, Künstler.

Auch einen Schauspielwettbewerb initiiert das Logentheater: "Actors on Set". Für diesen Wettbewerb sollen sich Schauspieler, während sie am Drehort auf ihren Einsatz warten, selbst filmen. "Die Pausen zwischen den Dreharbeiten waren für mich immer eine Qual", gesteht Brandrup. Er schaffte Abhilfe, indem er anfing, in der Dekoration und auch in der Maske, kleine Stücke zu inszenieren oder auch mal ein Gedicht aufzusagen. "Da kommen absurde, witzige und doch inspirierende Szenen raus."

Brandrup selbst machte für den Wettbewerb auch gleich den Anfang und zitiert in Clownsmaske in einer Kulisse, die verdächtig nach Krankenhausserie aussieht, ein Gedicht über Krankheiten. Und Kollegin Susanna Simon singt vor einer tristen Kulisse, die an eine alte Fabrikhalle erinnert, ein russisches Lied. Brandrup fordert seine Kollegen weiter auf, es ihm gleichzutun und das in Drehpausen entstandene Machwerk an ihn zu schicken. Die Filme würden dann im Logentheater veröffentlicht. Während der Berlinale 2009 soll der Gewinner gekürt werden. "Ein international bekannter Schauspieler wäre mein Traum für die Jury", sagt Brandrup. Und was macht er wohl am Abend? "Ich gehe ins Theater", antwortet Brandrup. Zur Abwechslung auch mal in ein reales.

Beitrag aus Welt-Online

29. April 2008, 18:38 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | 2 Kommentare |

AUGSBURGER DRAMATIKERPREIS 09

S’ensemble Theater und mindmedia schreiben aus:

AUGSBURGER DRAMATIKERPREIS

kommunikation.heute.morgen

Man wird sie nicht los – die gute alte Kommunikation. Seit Menschengedenken gehört Sie zum Mensch-Sein dazu. Mit oder ohne Handy. Kaum tut man was, schon hat man eine Botschaft, eine Information nach außen verbreitet.
Wie aber hat sich die zwischenmenschliche Kommunikation in den letzten 10 bis 20 Jahren verändert? Wie sieht sie morgen aus? Gibt es Gesetzmäßigkeiten, die immer gelten? Welchen Einfluss haben Kommunikationsmedien wie Telefon, Handy, Email, Chat, Blog, Web 2.0 auf unser Kommunikationsverhalten, auf unsere Beziehungen oder auf die Menschen allgemein?
Was verbindet, was trennt?

Das S’ensemble Theater und die mindmedia GmbH – Institut für multimediale Kommunikation schreiben den Augsburger Dramatikerpreis aus. Gesucht wird ein abendfüllendes Stück für zwei Personen, das sich mit der oben beschriebenen Thematik befasst.

- Einsendeschluss: 1. November 2008
- Das Stück muss zur Uraufführung frei sein
- Die Jury gibt das Siegerstück Anfang Dezember bekannt
- Preisgeld: 2500,- Euro
- Im Preisgeld sind die Tantieme für 15 Aufführungen enthalten
- Das Siegerstück wird im Frühjahr 2009 im S’ensemble Theater uraufgeführt

www.augsburger-dramatikerpreis.de

29. April 2008, 17:59 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | Keine Kommentare |

Die Stadt Bayreuth startet Wettbewerb zum Web 2.0

"Das Kultur- und Tourismusreferat der Stadt Bayreuth und die Juniorprofessur für Theater und Medien an der Universität Bayreuth loben einen ausgefallenen Wettbewerb aus: Leben in Bayreuth auf YouTube heißt er und richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen an der Uni Bayreuth, Bayreuther Schulen und interessierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Beiträge können sowohl von Einzelpersonen als auch von Gruppen eingereicht werden.

Es winken attraktive Sachpreise. Mit diesem Wettbewerb wollen wir dazu animieren, sich mit den Möglichkeiten des Web 2.0 und den damit verbundenen Umwälzungen hin zu einer Mitmachkultur auseinander zu setzen , erklären Ralph Lange, Kultur- und Tourismusreferent der Stadt Bayreuth, und Martina Leeker, Juniorprofessorin für Theater und Medien an der Universität Bayreuth.
Der Medienkonsum der Gesellschaft verändert sich gerade in der heutigen Zeit ständig. Immer mehr Menschen greifen auf das Internet zu und können dessen Inhalte immer stärker selbst bestimmen. Diese Entwicklung birgt Chancen aber auch Grenzen. Wie frei und zugänglich wird das Web 2.0 bleiben? Und nehmen die Nutzer die Angebote einer neuen "Mitmachkultur" überhaupt an? Ein typisches Beispiel hierfür ist die Videoplatt-orm YouTube, bei der die User selbst Filme ins Internet stellen können. Sie ist lebendiger Ausdruck einer selbstorganisierten und wild wachsenden Mitmachkultur , so Lange und Leeker.
Für den Wettbewerb, der einen Rahmen bieten will für die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten des Web 2.0, werden Filme gesucht, die das Leben in Bayreuth mit all seinen Facetten, seinen Höhen und Tiefen visualisieren und reflektieren. Mut zu Originalität und eine humorvoll-kritische Auseinandersetzung sind dabei genauso gefragt wie der Spaß am Low-Budget-Produzieren und am Selbermachen. Ziel von Stadt und Universität ist es, YouTube auch für die Auseinandersetzung mit Bildungsthemen zu erschließen. Es gilt, diesen Bereich zu erobern und Filme auf diese Plattform einzustellen, die Teil der neuen Mitmachkultur sind.
Der Anmeldeschluss für den Wettbewerb Leben in Bayreuth auf YouTube ist der 1. Juli 2008."

Nachricht aus dem Internetangebot des TVO - Fernsehen für Oberfranken.

Prof. Dr. Martina Leeker, Fachbereich Theater und Medien der Universität Bayreuth, zu dem Projekt: "Mit Web 2.0 kommt es zu einer gründlichen und umfänglichen Veränderung von Medienkultur. Mit der Digitalisierung analoger Medien verändert sich die „Kultur der Massenmedien“ und wird durch eine Mitmachkultur ergänzt oder gar ersetzt. Chancen, Grenzen und Herausforderungen dieser Mitmachkultur sollen im Seminar anhand der Plattform YouTube ausgelotet und erprobt werden. Diese ist aus zwei Gründen von Interesse. Sie ist (1) eine freie, von den MacherInnen unterhaltene Plattform, an der Mitmachkultur und eine mit ihr einhergehende neue Filmkultur ablesbar werden. Auf Grund dieser Konstitution werden an YouTube (2) die neuen Bedingungen von Theatralität (z. B. Selbstinszenierung, Imagemaking, Mimikry) und Performativität (Strategien zum Generieren von Aufmerksamkeit prägnant deutlich."

Die Festspielstadt sieht also ihre kulturelle Zukunft wohl nicht mehr nur in der Perpetuierung des Vergangenen…

 

15. Februar 2008, 17:18 Geschrieben von Theater 2.0_Renate | Allgemein | Keine Kommentare |

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